Stellen Sie sich einen Raum vor: vier Wände, dieselbe Farbe, dasselbe Kalkprodukt und scheinbar dieselbe Vorbereitung. Und trotzdem wirkt die Oberfläche am Ende nicht überall gleich.
Auf einer Wand erscheint der Kalk ruhig und weich, mit einer feinen, fast samtigen Tiefe. Auf der anderen wirkt der Farbton etwas kräftiger oder heller. Hier lässt sich der Kalkputz lange und geschmeidig bearbeiten, während er dort deutlich schneller anzieht.
!! Das Produkt ist dasselbe - aber die Wände sind es nicht !!
Genau darin liegt eine der Besonderheiten von Kalkoberflächen. Kalk reagiert nicht nur auf das Material, das verarbeitet wird, sondern auch auf den Untergrund, auf dessen Saugverhalten und auf die Bedingungen im Raum. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Untergrundfeuchte, Schichtdicke und die Art der Verarbeitung wirken zusammen und prägen am Ende das Erscheinungsbild.
Wer mit Kalkputz, Kalkfarbe, Kalkschlämme oder feinen Kalkspachtelmassen arbeitet, sollte deshalb nicht nur das Produkt kennen. Man muss auch die Wand verstehen.
Zwei Wände, ein Kalkputz – und trotzdem ein anderes Ergebnis
Besonders deutlich wird das bei Sanierungen und Umbauten.
Nehmen wir zwei Wände, die später optisch zu einer Einheit werden sollen. Auf der ersten befindet sich ein bestehender Kalkputz. Die zweite wurde neu mit Gipsputz oder Trockenbau aufgebaut. Für das Auge können beide Flächen nach der Vorbereitung nahezu gleich aussehen. Technisch bringen sie jedoch vollkommen unterschiedliche Voraussetzungen mit.
Der Kalkputz kann Feuchtigkeit anders aufnehmen als der Gipsputz. Die Trockenbaufläche besitzt wiederum ein anderes Saugverhalten und eine andere Oberflächenstruktur. Eine gespachtelte Fläche reagiert anders als ein offenporiger mineralischer Putz. Auch ein älterer Kalkzementputz kann sich deutlich von einem neuen Untergrund unterscheiden. Wird nun auf all diese Flächen derselbe Kalkoberputz oder dieselbe farbige Kalkbeschichtung aufgetragen, beginnt das Material auf jeder Wand etwas anders zu reagieren.
Nicht weil der Kalk unberechenbar ist. Sondern weil der Untergrund den Verlauf der Verarbeitung mitbestimmt.
Das Saugverhalten des Untergrunds entscheidet mit
Eine der wichtigsten Eigenschaften bei der Verarbeitung von Kalkprodukten ist deshalb die Saugfähigkeit des Untergrunds.
Ein stark saugender Untergrund entzieht dem frischen Material relativ schnell Wasser. Der Kalkputz zieht dadurch schneller an, die offene Bearbeitungszeit wird kürzer und die Oberfläche verändert sich entsprechend.
Ein weniger saugender oder passend grundierter Untergrund hält die Feuchtigkeit länger in der oberen Schicht. Das Material bleibt länger offen und lässt sich länger verteilen, strukturieren, glätten oder verdichten.
Diese Unterschiede sind nicht nur während der Verarbeitung spürbar. Sie können auch später sichtbar bleiben. Denn die Art und Geschwindigkeit der Trocknung beeinflusst die Struktur, die Verdichtung und die Lichtwirkung der fertigen Oberfläche. Gerade bei hochwertigen, farbigen Kalkoberflächen kann das einen deutlichen Unterschied machen. Ein und derselbe Farbton kann auf zwei unterschiedlich saugenden Wänden deshalb optisch anders erscheinen, obwohl exakt dasselbe Produkt verwendet wurde.
Untergrund + Saugverhalten + Verarbeitung = Erscheinungsbild
Warum eine Grundierung mehr ist als reine Haftung
Bei einer Grundierung denken viele zunächst an Haftung. Bei mineralischen Oberflächen kommt jedoch eine weitere wichtige Aufgabe hinzu: die Regulierung des Saugverhaltens.
Wenn in einem Raum verschiedene Untergründe zusammentreffen, kann eine geeignete Grundierung dazu beitragen, die Flächen auf einen vergleichbareren Ausgangszustand zu bringen. Das ist besonders bei Renovierungen wichtig. Vielleicht befindet sich auf einer Wand ein alter Kalkputz, daneben eine neu gespachtelte Trockenbaufläche und an einer dritten Wand ein Kalkzementputz. Werden diese Flächen ohne ein abgestimmtes Vorbereitungskonzept beschichtet, arbeitet der nachfolgende Kalk auf jeder Fläche unter anderen Bedingungen.
Eine passende Grundierung kann helfen, diese Unterschiede zu reduzieren. Dabei geht es nicht darum, möglichst viel zu grundieren. Entscheidend ist vielmehr, die richtige Grundierung für den jeweiligen Untergrund und den geplanten Schichtaufbau zu wählen. Je nach Untergrund und Produktaufbau können beispielsweise mineralische oder silikatische Grundierungen eingesetzt werden. Welche Lösung geeignet ist, hängt immer vom vorhandenen Untergrund und von der nachfolgenden Kalkbeschichtung ab.
Wann ein einheitlicher Grundputz sinnvoll sein kann
Manchmal reicht eine Grundierung (VeMura Grundputz) aus, um unterschiedliche Untergründe für die nächste Schicht ausreichend vorzubereiten. Bei stark voneinander abweichenden Wandaufbauten kann jedoch ein zusätzlicher, geeigneter Grundputz oder Grundspachtel sinnvoll sein.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Die unterschiedlichen Materialien darunter werden durch eine gemeinsame Zwischenschicht stärker voneinander entkoppelt. So entsteht eine möglichst einheitliche Basis für die spätere Kalkoberfläche.
Gerade wenn auf verschiedenen Untergründen anschließend ein hochwertiger Kalkoberputz wie beispielsweise VeMura PERLA entstehen soll, lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf den gesamten Wandaufbau. Nicht die einzelne Schicht entscheidet über die Qualität der Oberfläche.
Das Zusammenspiel aller Schichten entscheidet.
Der VeMura Kalk-Grundspachtel beziehungsweise Grundputz kann dabei, abhängig vom jeweiligen Systemaufbau – als Grundlage für nachfolgende Kalkoberflächen eingesetzt werden. Entscheidend ist immer, den konkreten Untergrund zu prüfen und den Aufbau darauf abzustimmen.
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