Lehm hat eine ganz eigene Art, Farbe aufzunehmen.
Während Kalkoberflächen das Licht stärker reflektieren und dadurch leicht, transparent und lebendig wirken können, besitzt Lehm eine fülligere und ruhigere Farbwirkung. Pigmente verbinden sich mit der mineralischen Struktur des Materials und erzeugen Farbtöne mit einer besonderen Tiefe.
Genau deshalb kann dasselbe Pigment in einer Lehmfarbe anders aussehen als in einer Kalkfarbe.
Warum Lehmfarben satter wirken
Lehmfarbe ist von ihrer Struktur her meist fülliger und deckender als eine dünne Kalkfarbe. Die Oberfläche absorbiert einen größeren Teil des einfallenden Lichts. Dadurch können Pigmente satter, erdiger und teilweise dunkler erscheinen.
Vereinfacht gesagt: Kalk reflektiert Licht – Lehm absorbiert Licht.
Das bedeutet nicht, dass Lehmfarben grundsätzlich dunkler sind. Vielmehr verändert die Oberfläche die Art, wie unser Auge den Farbton wahrnimmt. Ein Pigment, das in Kalkfarbe leicht und schimmernd wirkt, kann in Lehmfarbe ruhiger, voller und tiefer erscheinen.
Pigmente und Lehm – eine natürliche Verbindung
Für Lehmfarben und Lehmputze eignen sich besonders mineralische Pigmente, beispielsweise Eisenoxidpigmente und natürliche Erdpigmente. Sie lassen sich harmonisch mit den natürlichen Farbtönen des Lehms verbinden. Besonders schöne Ergebnisse entstehen häufig bei gedeckten, erdigen und warmen Farbtönen.
Erdpigmente können dabei eine besonders natürliche Wirkung erzeugen. Eisenoxidpigmente ermöglichen dagegen eine große Bandbreite an stabilen mineralischen Farbtönen.
Wie bei allen Pigmenten sollte auf eine geeignete Dosierung und die technischen Angaben des jeweiligen Produkts geachtet werden.
Auch bei Lehm gilt: Mehr Pigment bedeutet nicht automatisch mehr Qualität
Pigment ist immer Teil eines Gesamtsystems. Wird zu viel Pigment eingesetzt, kann sich die Materialeigenschaft verändern. Deshalb sollte man sich an die vom Hersteller vorgesehenen Dosierungen halten und bei ungewöhnlich hohen Pigmentierungen zunächst eine Testfläche anlegen.
Gerade bei Lehmprodukten ist eine Musterfläche von etwa 1 × 1 Meter sinnvoll. Denn dort lässt sich nicht nur die Farbe beurteilen, sondern auch die Deckkraft, die Struktur und das Zusammenspiel mit dem Untergrund.
Nass und trocken – zwei unterschiedliche Momente
Auch bei Lehm verändert sich die Oberfläche während des Trocknens.
Eine feuchte Lehmfarbe kann zunächst anders wirken als nach dem vollständigen Trocknen. Mit dem Entzug des Wassers verändert sich die Lichtreflexion und damit auch die Wahrnehmung des Farbtons. Deshalb sollte eine Farbentscheidung möglichst am vollständig getrockneten Muster getroffen werden. Gerade bei natürlichen Pigmenten lohnt es sich, dem Material Zeit zu geben.
Kalk und Lehm – zwei unterschiedliche Lichtwirkungen
Wer denselben Farbton einmal als Kalkfarbe und einmal als Lehmfarbe betrachtet, wird schnell einen Unterschied feststellen.
Kalkfarbe wirkt häufig leichter, transparenter und lichtreflektierender. Bei dünnen Schichten kann eine feine Mikrotransparenz erhalten bleiben, wodurch die Pigmente lebendig und leicht schimmernd erscheinen.
Lehmfarbe wirkt dagegen meist fülliger und ruhiger. Durch die stärkere Lichtabsorption kann derselbe Pigmentton satter und erdiger erscheinen.
Das macht beide Materialien interessant – nur auf unterschiedliche Weise.
Mineralfarbe – die Verbindung beider Welten
Mineralfarbe kann – abhängig von ihrer jeweiligen Rezeptur – Eigenschaften aus der Welt von Kalk und Lehm miteinander verbinden.
Sie bietet die Möglichkeit, mineralische Leichtigkeit mit einer etwas fülligeren und deckenderen Farbwirkung zu kombinieren.
Wer sich zwischen einer sehr leichten Kalkoberfläche und der satteren Wirkung einer Lehmfarbe nicht entscheiden kann, kann deshalb eine entsprechend formulierte Mineralfarbe als Alternative betrachten.
So lassen sich die Vorteile beider Materialwelten in einem System miteinander verbinden.
Farbe ist immer mehr als der Farbton
Ein Pigment hat keinen völlig unveränderlichen Ausdruck. Erst das Material entscheidet, wie es auf der Oberfläche erscheint.
Deshalb ist die Frage nicht nur: „Welches Pigment möchte ich?“
Sondern auch: „In welchem Material soll dieses Pigment leben?“
Kalk bringt Licht und Transparenz. Lehm bringt Fülle und Ruhe. Mineralfarbe kann – je nach Zusammensetzung – zwischen diesen Eigenschaften vermitteln.
Und genau darin liegt die Schönheit natürlicher Farben: Der Farbton wird nicht einfach auf die Wand gelegt. Er entsteht aus Material, Pigment und Licht.
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